Das Uhl'sche Haus

Das im Jahr 2015 nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnete Museum bietet seinen Besuchern auf zwei Stockwerken und rund 300 qm Ausstellungsfläche spannende Einblicke in die Geschichte und das Leben der Menschen von Göllheim. Das repräsentative Wohnhaus wurde 1898 vom Ehepaar Wilhelm und Babette Uhl errichtet und nach deren Tod 1932 an die Gemeinde verkauft. Seit 1979 beherbergt es das Heimatmuseum.


Der ehemalige Empfangssaal der Familie Uhl im Erdgeschoss dient seit 2016 als Trauzimmer. Durch seine originalen Holzvertäfelungen und farbenprächtigen Deckenmalereien bildet der Raum das passende Ambiente für Trauungen und andere Veranstaltungen. 
Darüber hinaus können im benachbarten Café kleine Feierlichkeiten oder der Umtrunk nach der Trauung stattfinden.

Öffnungszeiten: 
Sonntag 14 bis 17:00 Uhr, 
Dienstag und Donnerstag 14:30 bis 16 Uhr 
und nach Vereinbarung

Das Trauzimmer 

Das Haus Uhl beherbergt eines der schönsten Trauzimmer im Donnersbergkreis. Hier können sich Paare im ehemaligen Empfangssaal der Familie Uhl das Ja-Wort geben. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, für einen kleinen Sektempfang oder einen Imbiss  den Nebenraum sowie den Innenhof des Anwesens zu nutzen.
Das Trauzimmer fasst bis zu 50 Gäste. Es kostet eine zusätzliche Gebühr von 150 Euro und kann im Zuge der Anmeldung zur Eheschließung beim Standesamt Göllheim reserviert werden. 
Nähere Informationen und Besichtigungen bei Alexandra Bruch unter Tel.: 0176 58950437

Die Sammlungen 

Das Haus Uhl in der Göllheimer Hauptstraße ist ein großbürgerliches Wohnhaus im Renaissance-Stil. Bereits 1979 wurde es als Heimatmuseum eingerichtet und beherbergt heute mehrere Sammlungen: 

Zur Geschichte der Familie Uhl


Erfahren Sie mehr über Wilhelm Uhl, den Erbauer des Hauses, der reiche Verwandte in den USA hatte und sechzehn Jahre Bürgermeister von Göllheim war. Vielfältiges Anschauungsmaterial und eine Medienstation lassen das Leben der Uhls vor Ihren Augen entstehen.

1298 - Die Schlacht am Hasenbühl


Der Schlacht am Hasenbühl sind als wichtigstes Ereignis von Göllheim zwei Ausstellungsräume gewidmet. Ursachen der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den Truppen des habsburgischen Herzogs Albrecht von Österreich und des römisch-deutschen Königs Adolf von Nassau waren die Absetzung Adolfs durch die Kurfürsten und die Proklamation Albrechts zum Gegenkönig. 
Das große Diorama mit Hunderten von bemalten Zinn­figuren und einer Hörstation lassen den Betrachter selbst zum Zeugen der Schlacht werden. Junge Besucher können allerlei ritterliche Ausstattung anprobieren und so „hautnah“ miterleben, wie es sich anfühlte ein Ritter zu sein.

Archäologie 
und Geschichte Göllheims

Erfahren Sie, wie die ersten Bewohner von Göllheim vor ca. 7500 Jahren lebten, was sich veränderte, als die Römer über die Alpen kamen und welche Grabbeigaben die Merowinger ihren Verstorbenen mitgaben. In Schauvitrinen sind die zum Teil handwerklich sehr minutiös ausgearbeiteten Fundstücke zu bestaunen. 

Die Göllheimer Lagune

Wussten Sie, dass Göllheim einst am Meer lag? Über 20 Millionen Jahre alte Gesteine aus der Tertiär-Zeit vermitteln Einblicke in die Erdgeschichte. Viele dieser Gesteine stammen aus den Abbaugebieten der Zementfabrik Dyckerhof, die am Ort ansässig ist. Tauchen Sie ein in die „vergessene Welt des Tertiär“ und erfahren Sie dieses Erdzeitalter in unserem Geologieraum.

Faszination Puppen

Tauchen Sie ein in die Miniaturwelt von Karin Heinz, deren Puppen- und Spielzeugsammlung das Museum seit 2004 beherbergt. Die Ausstellung im oberen Musiksaal und kleinen Puppenzimmer gibt Einblicke in die Herstellung der kostbaren Porzellanpuppen und zeigt einen Querschnitt durch alle Erfolgsmodelle der jeweiligen Jahrzehnte. 



Die Geschichte des Uhl'schen Hauses

Wie aus einem vornehmen Wohnhaus ein Heim für die Kultur Göllheims wurde

Er war ein großer Landwirt, dieser Wilhelm Uhl. 1852 in Göllheim geboren, betrieb er sein Gut im nahen Elbisheimerhof. Mit erwirtschaftetem Reichtum und einer großen Erbschaft von seinen New Yorker Verwandten erbaute er in der „Göllheimer Vorstadt“ vor dem Kerzenheimer Tor ein großes Gutshaus. Nach Fertigstellung siedelte er 1898 mit seiner Frau Babette sowie seinen fünf Kindern nach Göllheim um und bewohnte das vornehme Gutshaus in der heutigen Hauptstraße 7. Von 1904 bis 1920 war Wilhelm Uhl sechzehn Jahre lang Bürgermeister. Aufgrund seiner Verdienste wurde er zum königlich-bayerischen Ökonomierat ernannt.

Das Gutshaus gehört neben dem Haus Groß zu den eindrucksvollsten Häusern Göllheims. Die prächtige zweigeschossige Sandsteinfassade wird auf der linken Seite von einer großen Toreinfahrt und auf der rechten Frontseite von einem ausgeformten Erker über beide Stockwerke hinweg bis ins Dachgeschoss hinauf unterbrochen. Auffällig sind die vier Hermenpilaster, deren Köpfe und Schultern ursprünglich einen Balkon trugen. 

Die Gemeinde Göllheim übernahm – aus heutiger Sicht ein Glücksfall – im Jahre XXX das Gutshaus, nutzte es als Wohnhaus um und vermietete es an mehrere Familien. Mit zunehmendem Wohlstand und einer neuen Hinwendung zur eigenen Geschichte gelang es dem vorausblickenden damaligen Bürgermeister Hans Appel, den Gemeinderat davon zu überzeugen, dieses historisch wertvolle Gebäude zu einem kulturellen „Aushängeschild“ der Gemeinde zu machen.

Das Museum wird in Erinnerung an den Bauherrn „Uhl´sches Haus“ genannt. Hier ist ein Ort für vielfältige Veranstaltungen, Vereinstreffen, Ausstellungen, Vorträge, Seniorenkaffees und vieles mehr entstanden. Doch vor allem ist es ein Museum mit der Leitidee: "Sammeln – forschen – zugänglich machen!"

Immer war das Uhl´sche Haus die Wirkungsstätte engagierter Bürger, zunächst der Mannschaft um Dieter Wevers, dann des Kulturkreises, ab 2005 des Kulturvereins Göllheim unter der Leitung von Hans Appel. Der Wunsch nach einer weiteren Neugestaltung war groß, doch die finanzielle Seite stand dem wie eine unüberwindbare Hürde entgegen. Es war ein großer Glücksfall, dass der 2009 gewählte Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller in dieser Hinsicht ebenso begeistert war wie die Kulturvereinsvorsitzende Doris Bugiel und die Mitglieder des Vereins. 2014 begannen die Planungen und Vorbereitungen mit Regina Hauber und Wolfgang Knapp, tatkräftig unterstützt von Doris Bugiel, dem Kulturvereinsvorstand und dem Bürgermeister. Wochenlang wurde das gesamte Inventar von den Kulturvereinsmitgliedern ausgeräumt, fotografiert, inventarisiert und sicher verpackt.

Moderne Medien und museumspädagogische Gestaltungen lassen nun die Erkundung der Sammlungen zum kleinen Erlebnis werden, wie die von Jürgen de Fries und Kurt Lahr akribisch recherchierte Dokumentation über Familie Uhl und die Architektur des Hauses, die als neuer Ausstellungsteil im prächtigen Empfangssaal ihren Platz fand. Neu ist auch die Verbindung der interaktiven Präsentation des Tertiärparks „Dachsberg“ mit der Firmengeschichte der Firma Dyckerhoff. Die Exponate der Frühgeschichte (Merowinger und Römer) werden nun in ungewöhnlich gestalteten Vitrinen präsentiert.

Highlight und Mittelpunkt der Sammlungen ist nach wie vor die Dokumentation der Schlacht am Hasenbühl 1298. Als zentrales Element blieb das große Diorama erhalten. Es wurde mit einer „Erzählstation“ und besonderen Lichteffekten versehen, so dass der Besucher nun die Phasen der Schlacht in seiner Vorstellung aufleben lassen kann. 

Neu ist auch ein „Zeitstrahl“ im ersten Stock, der die Geschichte Göllheims von Anbeginn zeigt. Das Museum ist medial vielfältig aufgebaut und selbsterklärend. 

Die Neueröffnung am 15. Dezember 2015 erfüllte alle Beteiligten mit großem Stolz. Die Leistung der Architektin und ihres Teams erweist sich seitdem in der täglichen Praxis als äußerst gelungen.

Zusammen mit der Bücherei, der Kunstscheune und der Kleinen Galerie im Kerzenheimer Tor bildet das Uhl'sche Haus das neue Kulturkarree Göllheim, in dem sich das kulturelle Leben weiter entfaltet und das für die Göllheimer Bürger ein Ort ihrer ganz besonderen geschichtlichen Identität werden wird. Wilhelm Uhl hätte dies sicherlich sehr gefallen... 

Die Geschichte der Familie Uhl

Das Haus der Uhls — Zeugnis großbürgerlichen Wohnens im ländlichen Raum

Das 1898 fertiggestellte großbürgerliche Anwesen der Familie Uhl in der Hauptstraße zeugt vom großen Reichtum der Familie, der auf Erbschaften aus Amerika zurückging. Das mächtige Sandsteingebäude mit seiner imposanten Außenfassade beherbergt auch im Innern Zeugnisse der Architektur der Gründerzeit und des Jugendstils, wie lederartige Prägetapeten, Deckenbemalungen, prächtig ausgearbeitete Holztüren mit farbigen Glasornamenten, beeindruckende Treppenaufgänge und Fayence-Kachelöfen. Im Untergeschoss des Museums ist der große Empfangsraum der Erbauerfamilie und ihrer Geschichte gewidmet. 

 

Eine Vorgeschichte


Um 1650 wandert im Zuge der Wiederbesiedlung nach dem Dreißigjährigen Krieg ein Nickel Uhl - unbekannter Herkunft - in Marnheim zu. Er wird Erbbeständer des kleinen Hainer Hofgutes in Marnheim, Gerichtsverwandter und gehört als Angehöriger der 5. Rott dem Musterungsausschuss an.

Sein Sohn Georg Heinrich Uhl ist Schmiedemeister, Gemeins- und Gerichtsmann, sein Enkel Samuel Uhl ebenfalls Schmiedemeister. Dieser hinterlässt seinen fünf lebenden Kindern eine Summe von 3.438 Gulden, die von ihnen zum Erwerb von Ackerland und Neugründungen verwendet werden. Es bilden sich neue Geschlechterlinien; Johann Friedrich Uhl begründet die Rüssinger Linie, während Valentin Uhl die Marnheimer Linie fortsetzt.


Johann Friedrichs Sohn Georg Christian wird bereits 1775 in Rüssingen geboren, er ist Ackersmann und heiratet eine Barbara Butterfaß aus Obrigheim. Deren Sohn Johann Adam Uhl - Wirt und Ackermann - heiratet 1826 in Göllheim; er ist Begründer der Göllheimer Linie Uhl. Seine Frau Anna Maria ist die Tochter des Göllheimer Ackermanns Christian Dilg. Ihnen werden acht Kinder geboren.


Johann Michael Uhl ist als zweiter Sohn Ackersmann und Gastwirt in der Göllheimer Hauptstraße, dem späteren „Weißen Roß“ und heutigen „Hohe Trepp“. Johann Michael Uhl heiratet dann 1857 in Göllheim Maria Margarete Siegel, die Tochter des Ackermanns Georg Siegel und seiner Frau Anna Maria geb. B(r)aum, die Besitzer des Hofes Hauptstraße 7 – des späteren Uhl`schen Hauses – sind. Aus dieser Ehe geht als einziger Sohn Wilhelm Uhl, am 14.10.1852 in Göllheim geboren, hervor.

 

„ ´s reiche Uhls aus Göllheim“


Wilhelm Uhl heiratet 1881 in erster Ehe Maria Katharina Eidt, die Tochter von Phil. Christian Eidt II aus Göllheim. Nach kurzer Ehe verstirbt Maria Katharina bereits 1882. 
In zweiter Ehe heiratet Wilhelm Uhl dann 1884 in Dirmstein Barbara (Babette) Sauer, Tochter des David Sauer, Gutsbesitzer in Dirmstein. Beide siedeln auf einen Hof im Elbisheimerhof um. Ein Gutsherrenhaus wird errichtet und ein ca. 50 ha(!!) großer Grundbesitz bewirtschaftet. Dort werden zwischen 1885 und 1899 drei Mädchen (von denen eines früh verstirbt) und drei Söhne geboren.

Persönliche Tüchtigkeit und eine größere Erbschaft von seinem angeheirateten Verwandten Johannn Philipp Eichler, dem Besitzer der großen John Eichler Brewery aus New York, sind die Voraussetzungen dafür, dass Wilhelm Uhl in Göllheim auf dem Grundstück seines Schwiegervaters Georg Siegel in der Hauptstraße 7 um 1898 einen zweiten größeren Gutsherrensitz errichtet – das heutige Uhl´sche Haus, ein Beispiel der gründerzeitlichen Architektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Zu diesem Gutshof gehörte, wie schon im Elbisheimerhof, eine landwirtschaftliche Fläche von ca. 50 ha. Aus dem etwas abgelegenen, einsamen Elbisheimerhof kehrt Wilhelm Uhl mit seiner Familie um die Jahrhundertwende dann wieder in das bedeutendere Göllheim zurück. Der Elbisheimerhof wird 1901 verpachtet.


1904 übernimmt Wilhelm Uhl von Christian Eidt III das Bürgermeisteramt von Göllheim, das er bis 1920 über mehrere Wahlperioden hinweg sechzehn Jahre lang innehat. Sechzehn Jahre, eine lange Zeit der Einflussnahme auf die Geschicke Göllheims, auch über die schweren Zeiten des 1. Weltkrieges und danach.
 Während des 1. Weltkrieges fallen seine beiden Söhne Wilhelm Ludwig (1915) und Heinrich (1918). Ihnen zur Erinnerung stiftet er der Göllheimer Gemeinde eine Glocke, die sich heute noch im Turm der evangelischen Kirche befindet, aber nicht mehr geläutet wird.

Als Landwirt und wohlhabender Gutsbesitzer setzt sich Wilhelm Uhl an verantwortlichen Stellen für Belange der Landwirtschaft ein und wurde für seine Verdienste vom Königreich Bayern zum Ökonomierat ernannt.


Wilhelm Uhl stirbt am 26.6.1925, seine Frau Babette am 10.3.1930 in Göllheim.

Auf dem Göllheimer Friedhof wird ein Erbbegräbnis für die Familien Uhl und Siegel errichtet.  Noch heute erinnert es an die wohlhabende Familie und ihren Einfluss in Göllheim.


Nach Wilhelms Tod übernimmt sein Sohn Jacob den Göllheimer Gutshof Uhl. Er hat von 1923 bis 1926 ebenfalls wie sein Vater das Amt des Bürgermeisters inne. Die Töchter des Wilhelm Uhl übernehmen den verpachteten Gutshof im Elbisheimerhof.


Wilhelm Uhl, ein Gutsherr, angesehener Bürgermeister, ausgezeichnet als Ökonomierat, ein Pferdeliebhaber und Jagdfreund, eben: „´s reiche Uhls!“