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Die Kunst in Göllheim

Eine Vielzahl von Kunstwerken schmückt im Ort den öffentlichen Raum und macht Göllheim so zu einem wirklich sehenswerten Dorf. 
Die Werke sind bei verschiedenen Gelegenheiten entstanden und lassen sich besonders gut auf einem Rundgang durch den Ort erkunden. Die beiden auffälligsten Arbeiten sind sicher die „Krone“ von Uli Lamp am Kreisel und der „Sproß“ von Rüdiger Krenkel am Dreisener Tor. Es gibt aber noch viel mehr zu entdecken: Die elf im ganzen Ort verteilten, zarten Mosaike von Tanja Lebski beispielsweise oder das „Mohnfeld“ von Helga Kellerer am Neuen Marktplatz. 

Im Jahr 2003 feierte der Kunstförderverein Donnersbergkreis sein 20jähriges Bestehen mit verschiedensten Veranstaltungen zum Thema „Heimat“. Höhepunkt dieser Veranstaltungen war ein Bildhauersymposium in Göllheim, bei dem sechs Werke entstanden: 

„Sproß“ von Rüdiger Krenkel am Dreisener Tor, Stahl, 2003. 


Heimat ist ein Ort, dessen Energiefeld für mich geeignet scheint, mit ihm in Resonanz zu treten, schöpferisch Wurzeln zu schlagen und diese zu einem fruchtbaren Gedeihen zu führen. 
Nach einer längeren Erkundungstour durch Göllheim war es die Freifläche vor dem Dreisener Tor, die zwischen ausweichender Hauptverkehrsführung und beengter Toröffnung in einem ungeahnten Spannungsfeld zu schlummern schien. Aus dieser Situation, wie auch aus der Form beziehungsweise dem umschriebenen Raum des Torbogens entstand eine Arbeit mit Ansatz zu vielerlei Assoziationen.
Skorpionschwanz oder Ritterrüstung liegen nahe. Dieses Gebilde verkörpert jedoch auch den lebendigen Zustand des Wachsens und Gedeihens. Ein Keimling, oder eben ein „Spross“. So entstand die Plastik in einem Kraftakt von nur zwei Wochen mit den Helfern Blechschere, Blechbiegerolle, Gabelstapler, Kran, Winkelschleifer und Schweißgerät in einer kleinen Halle mitten im Zementwerk. 

„Donnersberger Netsuke“ von Wolfgang Seipenbusch in der Freiherr-vom-Stein-Straße, Sandstein, 2003.

Heimat – Wahlheimat. Dem Donnersbergkreis habe ich mich anvertraut. Der dicke, alte Berg hat in Jahrtausenden massenhaft menschlichen Unfug gesehen, ohne je seine buddhagleiche Gelassenheit zu verlieren. 
Trotz der teileweise nervigen Forderungen der „Wildwutz“ (also Kirchheimbolanden) im Nacken wurde dies „unser“ Ort. Man mag ihn allzeit wie eine Netsuke, einen zierenden Gürtelknauf, tragen, an den man vielerlei hängt. 

„Ausblick“ von Wolf Münninghoff vor der Verbandsgemeindeverwaltung, Sandstein, 2003. 

Das Wort „Heimat“ ist für mich in erster Linie ein abstrakter Begriff. Ich denke dabei an so etwas wie die „innere Heimat“, die mir wichtiger ist als die äußere Heimat. Erst in unserer Zeit der Migration spielt diese Trennung eine Rolle, denn die innere Heimat kann ich nicht so schnell verlieren wie die Äußere. „Heimat“ beinhaltet für mich auf jeden Fall Verwurzelung. Meine persönlichen Wurzeln sind das Resultat ganz verschiedener Prägungen. Dabei interessiert mich auch der zeitliche Aspekt, denn Wurzeln-schlagen ist ein fortlaufender Prozess. Meine innere Heimat verändert sich mit Lebensabschnitten und Stationen. Woher komme ich und wohin gehe ich? So gesehen wird Heimat zu einem Kontinuum, einem in Sediment abgelagerten Konglomerat aus Eindrücken und Einlassungen. „Heimat“ bedeutet auch Veränderung. Diese Idee findet ihre gestalterische Umsetzung in der Montage mehrerer Steinplatten, die als Schichten angeordnet sind. Entstanden ist ein Spannungsfeld von Kontinuität und Brüchen, Geschlossenheit und Offenheit. Wichtig ist mir der „Ausblick“, zum dem die Durchbrechungen des Steins auffordern: Heimat ist für mich nicht alleine Vergangenheit. Die Vorstellung eines kontinuierlichen Prozesses beinhaltet zwangsläufig auch alles Zukünftige. Ohne Gestaltungswillen und Bereitschaft für Veränderung kann Heimat nicht funktionieren. Ohne Bewusstsein für Vergangenheit und die eigenen Wurzeln kann aber auch die Gestaltung von Zukunft nicht gelingen. 

„Weltengesicht“ von Uli Lamp
vor dem Haus Gylnheim, Sandstein, 2003.


„Der Mensch ist ein Fremder- fast überall“
Die Frage stellt sich: „Ist der Mensch nur in seiner Heimat, in seinen klar begrenzten räumlichen Bezügen ein ‚Beheimateter‘, ein ‚Einheimischer‘, wo er sein ‚Zuhause‘ gefunden, sein Haus bestellt hat?
Fragen in einer Zeit, in der Grenzen fallen, des Vereinigten Europas, der Globalisierung, des flexiblen und mobilen Menschen, Fragen, die sich schlüssig wohl nicht beantworten lassen – oder bedarf es einer Neudefinition des Heimatbegriffes? 
„Du findest die Heimat in Dir – oder Du findest sie nirgendwo!“ 
Meine Skulptur „Weltengesicht“ will einen Menschen darstellen, mit Zügen verschiedener Ethnien. Er lässt sich nicht eindeutig zuordnen, löst Grenzen auf und definiert Raum neu. Hat er somit auch seine Heimat verloren?

„Kaleidoskop der Erinnerungen“ 
von Bruno Weigand vor dem Haus Gylnheim, Sandstein, 2003.

Die Bildstele mit bruchstückhaften Bilddarstellungen der Göllheimer Ortsgeschichte, aus rotem Pfälzer Sandstein, bekrönt mit einer überdimensionalen „Saubeere“ (Birne) soll als Anregung zum Erinnern und Erzählen der Göllheimer Ortsgeschichte dienen. 

„Zuneigung – oder Heimat ist da wo die Liebe wohnt“ von Uta Schade im Garten der Begegnungen, Sandstein 2003. 
 
Heimat ist ein vielgestaltiger Begriff. Für mich persönlich und ganz konkret ist Heimat unweigerlich mit Menschen verbunden. Die innere, tiefe Verbundenheit, sowie eine gewisse Seelenverwandtschaft und nicht zuletzt die Liebe sind ausschlaggebend. Um all dies zu umschließen, habe ich ganz bewusst zwei Umrissfiguren, eine Frau und einen Mann, in der Silhouette geschaffen, die sich einander zuneigen. Dazwischen bleibt „Freiraum“ und doch gleichzeitig Nähe durch das Einander-Zuneigen beziehungsweise Aufeinander-Zugehen. Die Ausschließlichkeit dieser Heimat spielt keine Rolle, denn „Heimat ist da, wo die Liebe wohnt“. 

Ein zweites Symposium 2007 stand unter dem Motto „Blickachsen“. Unter diesen Begriff positionierte man Skulpturen im öffentlichen Raum so, dass sie mit einander im Dialog stehen. Alle acht Kunstwerke sind im alten Ortskern aufgestellt und lassen sich bei einem kleinen Rundgang wunderbar erkunden.  

„Mohnfeld“ von Helga Kellerer
am Neuen Marktplatz, Stahl, 2007.


Auf übereinanderliegenden rostenden Stahlplatten gruppieren sich 24 Teile, Baustahlstangen mit kantig aus Blech geschnittenen „Köpfen“ in unterschiedlichen Höhen.
Rot und Grün, spielerisch und leicht. Ein Gegensatz zum nüchternen Material Stahl.

„Roter Rahmen“ von Motz Tietze in der Freiherr-vom-Stein-Straße, Stahl, 2007. 


Meine Arbeit setzt sich mit Ordnung und Chaos und deren Wahrnehmung in Alltag und Leben auseinander. Die Ordnung benötigt das Chaos und aus der Unordnung wächst ein System der Ordnung, das ich in Holz und Stahl bearbeite.

„Bote“ von Wolf Münninghoff
bei der evangelischen Kirche am Alten Marktplatz, Sandstein, 2007. 

Den schönen, geschützten Platz zwischen evangelischer Kirche und Altem Rathaus bekam ich, weil ich von Anfang an einen Engel machen wollte. Alle waren sich einig, dass dies der passende Platz dafür sei. 
Engel stehen für unsere Sehnsucht nach einer Wahrheit jenseits unserer materiellen Welt. Viele glauben daran, die wenigsten wissen, wie Engel aussehen. Sie erscheinen in unterschiedlichster Form, wenn sie aus ihrer Welt in unsere treten. Bei der Darstellung in Stein interessiert mich genau dieser Moment des In-Erscheinung-Tretens. Deshalb bleibt die Darstellung schemenhaft. Der Ausdruck konzentriert sich in den Gesichtern. 
Der Krümmung des Steins entsprechend schaut das eine Gesicht nach oben, das andere nach unten. In der Seitenansicht entsteht durch diese beiden Blickrichtungen eine diagonale Blickachse, die die Boten-Funktion der Engel anschaulich macht. Engel sind die Boten zwischen jener und unserer Welt, zwischen Himmel und Erde, Gott und uns Menschen. 

„Jongleur – Noch sind nicht alle Würfel gefallen“ von Uli Lamp  am Alten Marktplatz, Stahl, 2007. 

Ein ca. drei Meter großer Mensch aus Stahl baut sich mitten in der Einfahrt zum Parkplatz auf, teilt den Verkehr und scheint manchem wohl nur als Hindernis für „freie Fahrt für freie Bürger“. 
Aber genau da setzt die künstlerische Wirkung dieser Arbeit an. Sie will „Stolper-Stein und Denkmal“ sein, um – wenn auch nur für einen kurzen Augenblick –„eingefahrene Wege“ zu verlassen und Zusammenhänge kritisch zu reflektieren.
Die zweite Funktion dieser Plastik ist die Gliederung des öffentlichen Raumes. Sie ist eine Zäsur in der weit aufgerissenen Einfahrt und stellt damit den Rhythmus der dörflichen Struktur wieder her.
Formal knüpft die Arbeit an die auf dem Parkplatz und um die Kirche verstreuten Sandsteinwürfel an, stellt Verbindungen mit den bestehenden Elementen her und gibt ihnen damit Bedeutung.
Der „Jongleur“, so der Titel, ist auch etwas augenzwinkernd gemeint. Der, der mit den Dingen spielt, der Gaukler, der Artist, der beim Jonglieren die Schwerkraft vergessen lässt – doch packt er zu viel auf, findet er sich schnell auf dem „Boden der Realität“ wieder. Aber – „noch sind nicht alle Würfel gefallen!“

„Sacramobil“ von Wolfgang Seipenbusch 
am Alten Marktplatz, Sandstein, 2007.


Ein eingeparktes Auto mit zwiespältig-weiblicher Karosserie. Das Doppelgesicht wird gekrönt vom gestauchten Turmhelm der evangelischen Kirche. Dies ist der äußerliche Bezug zum Aufstellungsort. Daneben sei satirisch auf die zeitgenössische Verherrlichung des fahrbaren Untersatzes, unserer lieben Karre, hingewiesen. 
Man darf die Figur auch als „kabarettistische“ Kulturkritik verstehen. Die Sphinx will gedeutet werden. Mögen sich viele Passanten ein schlichtes Vergnügen am launigen Einfall gönnen!

"Blickwinkel" von Bruno Weygand 
an der Hauptstraße in Richtung Kerzenheimer Tor, Sandstein, Intarsien, 2007.

Die Steinbildhauerarbeit „Blickwinkel“ aus Sandstein mit Einlegern aus Granit, Marmor und Glas erfüllt zwei Funktionen: 
 Zum einen soll sie die Blickachsen zu zwei vorhandenen, markanten Architekturpunkten im alten Ortskern herstellen – dem Kerzenheimer Tor und dem Protestantischen Gemeindehaus mit dem dahinter liegenden Kirchturm – zum anderen stellt das „steinerne Auge“ selbst neue Blickkontakte her. 
 Vor allem macht es durch das eingesetzte Spiegelglas in der Granitpupille den Betrachter selbst zum Objekt der Betrachtung. 

„Aufbruch“ von Uta Schade
hinter dem Haus Gylnheim, Sandstein, 2007. 


Blickachsen sind für mich als Bildhauerin ähnlich wie ein zu bearbeitender Stein in seiner Außengestalt wahrnehmbar, also hier in Göllheim all die Straßen und Wege. Wenn man sie abläuft, finden sie sich an irgendeiner Stelle wieder, sind also ein geschlossener Kreislauf. 
In meiner Skulptur sollen dies die Spitzbahnen symbolisieren, die sich in organischer Form um den ganzen Stein herum bewegen. Bewegung durch den Schwung der Linien. Durch die Bewegung ergeben sich neue Blickwinkel und damit ein „Durchblick“ im wahrsten Sinne des Wortes. Der Betrachter soll dadurch aufgefordert werden, sich in Momenten, in denen er nicht mehr weiter weiß, in Bewegung zu setzen – um die Dinge dann aus einem anderen Blickwinkel, einer anderen Blickachse heraus zu betrachten – um dann weitermachen zu können. 
Die größte, hervorstehende, sich endlos um den Stein ziehende Linie, einem Rückgrat ähnlich, ist das Symbol dafür, dass es immer weitergeht und all dies formal oder emotional grundsätzlich von der eigenen Blickachse abhängt. All das ist ein Aufbrechen im positive Sinne, daher auch die Durchbrechung im Stein. 
Nicht zuletzt habe ich mich für den Standort hinter dem Haus Gylnheim entschieden, weil dort die verschiedensten Blickachsen durch die Göllheimer selbst und den alten Ortskern aufeinandertreffen. Aufgrund der hohen Fensterfront im Haus Gylnheim ist es möglich, durch die Öffnung in der Skulptur hindurch zu schauen und sich sowohl innerlich als auch äußerlich mit dem Thema „Blickachsen“ auseinanderzusetzen. 

„Gewächs“ von Stephan Voigtländer gegenüber dem Kerzenheimer Tor, Beton, 2007.

Scharfe kantige Forme begegnen weichen Formen. Technik treibt das Leben und Fragen warten auf Antworten. 
 Hoffnung auf eine scharfe Beobachtungsgabe kann ein Motor für diese Art der Arbeit sein.

"Ur-Bild-Pfad" von Tanja Lebski, hier "Die Spirale" gegenüber des Kerzenheimer Tores. 11 Mosaike, Feinsteinzeug und Glas, 2007. 

Wie eine unterirdische Kraftlinie, die an manchen Stellen durch einen Mosaik-Pflasterstein sichtbar wird, zieht sich der Ur-Bild-Pfad an neun verschiedenen Stellen sichtbar durch Göllheim. 
 Beginnend und endend mit der Spirale, die hier als Ur-Muster zu verstehen ist, das auf die „alte (keltische) Zeit“ hindeutet, weist auch jeder andere Mosaik-Pflasterstein seine